Bericht des Beisitzers für Revierfragen Karl-Heinz Baumgartner
Samstag, 20 Februar 2010

Unser Segelrevier Elbe wurde im vergangenen Jahr von zwei Themen geprägt. Die geplante 8.Elbvertiefung und den Plänen für die zukünftige Gestaltung, Ausbau des Elbeästuar und dem Hinterland unter Berücksichtigung der Forderungen von Natur- und Umweltschutz.

1) Elbvertiefung

Auch im neuen Jahr bleibt das Thema „ Elbvertiefung „ im Mittelpunkt. Die Planung geht jetzt in das vierte Jahr. Die geplante Vertiefung ist durch die Bundesregierung nicht gesondert in die Koalitionsvereinbarungen aufgenommen worden. Der neue Verkehrsminister hat aber die Wichtigkeit der Nordseehäfen und die Hinterlandanbindung in den Fokus gestellt.

Bei den Erörterungsterminen zu der geplanten Fahrrinnenanpassung im vergangenen Jahr sind die rund 7000 Einwendungen von den Vorhabensträgern nicht ausreichen und äußerst zurückhaltend behandelt worden. Das führte dazu, dass die Planfeststellung erneut überarbeitet werden musste.

Die Neuauslegung der Pläne für eine Elbvertiefung ist seit 4.Jan 2010 erfolgt. Bis 16.Februar können erneut Einwendungen vorgebracht werden. Die bereits 2008/2009 eingereichten Einwendungen bleiben bestehen. Ein Planfeststellungsbeschluß wird frühestens für Herbst 2010 erwartet.

2) Elbefond des Senats

Die Geschäftsstelle für die Verwaltung der Stiftung Elbefonds (Fondssumme 10 Mio€) wird bei der Maritimen Landschaft Unterelbe MLU in Grünendeich eingerichtet. Prof. Dr. H. Reincke von der HH-Senatskanzlei und Landrat M. Roesberg unterzeichneten am 6.Jan. den Vertrag.

Drei Fachleute aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg bilden den Vergabeausschuss. Dieser wird voraussichtlich 2012 erstmals über die von den Sportboothafen-Betreiber gestellten Förderanträge entscheiden und Fördermittel aus dem Fonds genehmigen.

Aber immer unter der Voraussetzung, dass ein Planfeststellungsbeschluß für eine erneute Elbvertiefung vorliegt und die Arbeiten begonnen wurden.

3) Revier

In den letzten Jahren ist ein erfreuliches Umdenken beim Thema Naturschutz, Umwelt und dem Interessenkonflikt Ökologie und Ökonomie zu beobachten.

Die Arbeitsgruppe „Integrierter Bewirtschaftungs-Plan Elbeästuar“ hat in der Zielsetzung: „Die Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ( FHH-Richtlinie ) und der Vogelschutz-Richtlinie im Elbeästuar sowie die ökologischen und wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen“ schon einiges erreicht.

Alle beteiligten aus Naturschutz, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Hafenwirtschaft, Deichverbände, Gebietskörperschaften, öffentliche und private Vorhabensträger, Sport und Tourismus-Verbände erarbeiten gemeinsam ein Maßnahmenkonzept für den Erhalt und die Förderung der natürlichen Entwicklung von Flora und Fauna und der sanften Nutzung unseres Flusses.

Der Senat hat im vergangenen September die Gründung der "Stiftung Lebensraum Elbe" auf den Weg gebracht. In der Stiftung (Die Stiftung ist mit € 10 Mio. ausgestattet) arbeiten erstmals Stadt, Hafen und Naturschutz an einem Strang, um den ökologischen Zustand der Elbe zu verbessern. Neue Flachwasserbereiche sollen geschaffen werden, Wattflächen erhalten und entwickelt, alte Elbarme und Nebenflüsse wieder tideoffen an die Elbe angebunden werden, Lebensräume für eine vielfältige und elbetypische Tier- und Pflanzenwelt erhalten und gefördert werden. Die Stiftung gilt als Ausgleichsmaßnahme für eine mögliche Elbvertiefung.

4) Maritime Landschaft Unterelbe (MLU)

Die MLU bemüht sich u.a. die Wertigkeit unseres Sports und Tourismus durch eine Art Kosten-Nutzen-Analyse aufzubereiten. Die vorhandenen Portale der Unterelbe bieten nämlich in der aktuellen infrastrukturellen Ausstattung der Sportboothäfen noch keine hinreichende Grundlage für eine erfolgreiche Bewerbung als attraktives Wassersportrevier und somit an EU-Fördermittel zu gelangen. Mit einer breit angelegten von der EU – geförderten Initiative beabsichtigt die MLU die Schaffung eines abgestuften Netzwerkes der Sportboothäfen als wichtige Ergänzung zu den gemeinsamen Bemühungen gegen die Verschlickung.

Was gehen uns Segler all die Aktivitäten im Bereich der ökologischen und wirtschaftlichen Interessen in und an der Elbe an ?

Ich denke, unser Interesse gilt nicht nur dem Erhalt unseres Segelreviers, es geht um den nachhaltigen Erhalt einer natürlichen, notwendigen Entwicklung der Flora+Fauna in und an der Elbe, um auch zukünftig in einer lebenswerten Landschaft unseren Sport, Erholung und Tourismus ausüben zu können.

Wir haben gelernt, dass wir unseren Sport viel mehr genießen können, wenn wir uns rücksichtsvoll im Einklang mit der Natur verhalten. Die getroffenen "Freiwillige Vereinbarungen" zwischen dem Landessportverband Schleswig-Holstein und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume beinhalten die Rechte und auch Pflichten für die Natursportler in SH. Beschränkungen in dem EU- Schutzgebietsnetz NATURA 2000 sind nicht zu befürchten. Diese "Vereinbarung" sollte Schule machen.

Die Elbe spielt aber auch eine wichtige Rolle im globalen Handel. Der Warenumschlag bringt der Region Elbe langfristig wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Auch dieser Aspekt ist für uns wichtig.