Hamburg hat wieder einen "Zwölfer"
Dienstag, 25 April 2006
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Segler und Elbuferbewohner staunten nicht schlecht über den fast 20 Meter langen kuttergetakelter Klassiker, der im Oktober auf der Elbe und im Hamburger Yachthafen gesehen wurde und bei sonnigem Herbstwetter und leichter Brise manchen neuen Renner auskreuzte.

Hinter dem Namen "Heti" verbirgt sich eine 1912 von dem legendären Yachtkonstrukteur Max Oertz gezeichnete und auf seiner damaligen Werft in Hamburg für den Lübecker Kaufmann Hermann Eschenburg gebaute 12-Meter-Rennyacht, die, wenn auch mit wechselndem Aussehen, über 90 Jahre auf Wannsee, Nord- und Ostsee, der Unterelbe und zuletzt auf dem Mittelmeer segelte. Ebenfalls von Max Oertz gezeichnet wurden so berühmte Yachten wie die "Meteor" Kaiser Wilhelms des II. als auch die "Germania" von Alfred Krupp. In den 30er Jahren erhielt die "Heti" eine zweimastige Takelung und war die Gewinnerin des Helgoländer Inselpreises 1935. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre überlebte sie als Hausboot. 1967 erfolgte eine gründliche Renovierung und der Umbau zur einmastigen Regattayacht. Unter dem Namen „Saturn“ hat die "Heti" in der Folge viele Regatten gewonnen. So war sie zweimalige Gewinnerin des Blauen Bandes der Niederelbe (1974 und 1976) hat eine bewegte Vergangenheit als Fahrten- und Regattayacht hinter sich. Zwischenzeitlich war sie Trägerin vieler Namen. Als "Traum" wurde sie auf dem Wannsee gesegelt, später hieß sie "Seeschwalbe", "Saturn" und zuletzt "Romeo". Als "Romeo" wurde sie auch 1999 vom Mittelmeer nach Hamburg gebracht, reparaturbedürftig und mit gebrochenem Mast. Hier wurde sie von der zur Erhaltung des maritimen Erbes gegründeten "Stiftung Hamburg Maritim" auf deren Harburger Werft "Jugend in Arbeit" in vierjähriger Arbeit von Grund auf restauriert.

Vor Beginn der Restaurierung wurde das Schiff im Dezember 2000 von der ersten Taufpatin, der inzwischen 93-jährigen Hedwig Howaldt, geb. Eschenburg, auf seinen ursprünglichen Namen "Heti", ihren Kinderspitznamen getauft. Nun ist der Um- (wohl besser: Neubau) weitgehend abgeschlossen. Das Schiff zeigt ein verändertes Aussehen, da sowohl Deckslayout als auch die Takelung (mit Klüverbaum, Großstenge und gewaltigem Gaffelsegel) dem ursprünglichen Riss weitgehend angepasst wurden. Das Schiff hat wieder eine Pinnensteuerung und keinen Seezaun. Dennoch waren Kompromisse wie z. B. einige moderne Winschen wohl unvermeidbar.

Joachim Kaiser von der "Stiftung Hamburg Maritim" teilt hierzu mit: "Wir haben das Schiff am 2. Oktober unter Motor von der Werft abgeholt und in den Yachthafen bei Wedel verlegt, was problemlos klappte. Am 3. Oktober, nach restlichen Takelarbeiten und Einweisung der Crew wurden auf der Elbe bei anfangs ganz flauem Wind die Segel gesetzt. Nach und nach wurden alle Leichtwettersegel durchprobiert. "Heti" setzte sich sogleich graziös in Bewegung. Das Schiff liegt gut auf dem Ruder und manövriert sowohl unter Motor, besonders aber unter Segeln tadellos. Den ganzen herrlichen Tag haben wir vor der Lühemündung gekreuzt und dabei alle Plastikyachten nach 12er Art in ihre Schranken verwiesen. Streckenweise eskortiert vom Lotsenschoner und anderen klassischen Yachten, die uns spontanes Geleit gaben, war "Heti" absoluter Star in der Arena."

Zukünftig wird die "Heti" vom Verein "Freunde der Heti e.V." betrieben. Der Liegeplatz wird im Sandtorhafen sein, dem zukünftigen Hamburger Traditionsschiffhafen.

JCS/csy